Ankündigung: fluctoplasma Festival 2026

Mit Beiträgen zum Eröffnungsprogramm und einem Praxisworkshop gestalten Dagesh – Jüdische Kunst im Kontext und CPPD das Programm des fluctoplasma Festivals 2026 (22.-24. Oktober 2026) in Hamburg mit. An zwei Festivaltagen geben beide Programme Einblicke in ihre Arbeit zu pluralen Erinnerungskulturen, kuratorischer Forschung, Erinnerungspraxis und partizipativer Kulturarbeit, sowie in künstlerische Perspektiven auf jüdische Gegenwart, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Teilhabe.

Los geht es zur offiziellen Eröffnung (22. Oktober) mit einer Eröffnungsrede von CPPD-Kurator Max Czollek, einem Jury-Statement von Dagesh-Referentin Yana Lemberska sowie dem Panel-Gespräch „Allein sind wir erledigt, zusammen erledigen wir das“, Akteur*innen aus der CPPD und Dagesh-Künstler*innen ins Gespräch bringt.

Am zweiten Festivaltag (23. Oktober) findet der Workshop „Jüdische Kunst im Kontext“, realisiert von Dagesh in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) statt und richtet sich an die Steuerungsgruppe Diversity der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg sowie interessierte Hochschulangehörige und widmet sich Fragen von jüdische Gegenwartskunst im gesellschaftlichen Diskurs und gibt Einblicke in antisemitismuskritische Perspektiven in Kunst und Kultur.

Programm:

22. Oktober: ERÖFFNUNG & PANELDISKUSSION
„Allein sind wir erledigt, zusammen erledigen wir das“
Einlass ab 17:30 Uhr | Forum, Hochschule für Musik und Theater Hamburg: Harvestehuder Weg 12, 20148 Hamburg
Mit Dan Thy Nguyen & Nina Reiprich, Max Czollek, Yana Lemberska | Panelist*innen: Ido Gotlib, Nhi Le, Julia Wissert, Moderation: Sonia Smolenski
(Öffentliche Veranstaltung, siehe unten für Ablauf)

23. Oktober: WORKSHOP
„Jüdische Kunst im Kontext“
15 – 17 Uhr | Hochschule für Musik und Theater Hamburg
(Interne Veranstaltung)

 


FORMATE:

Eröffnungspanel: „Allein sind wir erledigt, zusammen erledigen wir das.“

„The function of freedom is to free someone else“, sagte Toni Morrison 1979 in einer Rede am Barnard College. Freiheit, die bei der eigenen Freiheit stehen bleibt, verfehlt ihren Zweck. Ein Satz, der vielleicht heute drängender ist als damals.

Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben die deutsche Kulturlandschaft tiefgreifend verändert. Künstler*innen, Kurator*innen, Autor*innen und Kulturinstitutionen aus postmigrantischen Kontexten haben neue Perspektiven auf Erinnerung, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Sie haben den sogenannten „deutschen Kanon“ erweitert und darauf bestanden, plurale Gesellschaft nicht als Zukunftsversprechen, sondern als bestehende Realität zu begreifen. Eine Erfolgsgeschichte, wenn auch keine abgeschlossene.

Aus widerständiger Selbstbeschreibung ist längst eine kulturelle Kategorie geworden, mit eigenen Institutionen, Ästhetiken und prominenten Stimmen. Wer erhält dabei Sichtbarkeit, Ressourcen, institutionellen Zugang? Und wer bleibt unsichtbar, obwohl gerade in seinem Namen gesprochen wird? Repräsentation ist schließlich nicht automatisch Emanzipation.

Unter den Bedingungen wachsenden autoritären Drucks verändert sich die Frage nach Emanzipation selbst. Die Freiheit der jeweils „anderen“ wird zur Bedingung der eigenen Freiheit. Solidarität setzt keine Gleichheit der Erfahrung voraus – sie beginnt dort, wo wir trotz ungleicher Gefährdung politisch voneinander abhängen. Welche Verantwortung entsteht also daraus, dass unsere Freiheiten voneinander abhängen, obwohl unsere Verletzlichkeiten ungleich verteilt sind? Das ist die Frage, mit der sich das Panel beschäftigt.

Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft blickt es zurück und nach vorn: Was haben die postmigrantischen Aufbrüche der vergangenen Jahrzehnte tatsächlich verändert? Wo sind ihre Versprechen uneingelöst geblieben, und welche Formen der Solidarität haben funktioniert, welche nicht? Wie lässt sich über unterschiedliche Erfahrungen von Rassismus, Antisemitismus, Migration, Exil und gesellschaftlicher Ausgrenzung sprechen, ohne sie gleichzusetzen oder gegeneinander auszuspielen? Und welche Bündnisse brauchen wir in einem Moment, in dem Pluralität selbst wieder zur politischen Verhandlungsmasse wird?

Das Panel eröffnet das fluctoplasma Festival 2026 und findet in Kooperation mit zwei Programmen von DialoguePerspectives e.V. statt: der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD), die zu pluralen Erinnerungskulturen, kuratorischer Forschung, Erinnerungspraxis und partizipativer Kulturarbeit arbeitet, sowie Dagesh – Jüdische Kunst im Kontext, das künstlerische Perspektiven auf jüdische Gegenwart, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Teilhabe in den Dialog einbringt.

Programm: 

17:30 Uhr: Einlass & Musik
18:00 Uhr: Begrüßung durch die Hamburger Kulturbehörde, die HfMT, Nina Reiprich & Dan Thy Nguyen; Jurystatement: Yana Lemberska; Keynote: Max Czollek
19:30 Uhr: Dagesh & CPPD Eröffnungspanel
ab 20:30 Uhr: Sekt- & Börek-Empfang im Foyer mit DJ-Set (u. a. Booty Carell) und Fingernagel-Tattoo-Workshop
21:30 Uhr: Konzert von MADANII
22:30 bis 1:00 Uhr: Party

Workshop: „Jüdische Kunst im Kontext“

Wie können jüdische Positionen in Kunst und Kultur sichtbar werden, und was braucht es dafür in den Institutionen? Dieser Frage geht am 23. Oktober von 15 bis 17 Uhr der Workshop „Jüdische Kunst im Kontext“ an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg nach, den Dagesh gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) anbietet. Der Workshop richtet sich an die Steuerungsgruppe Diversity sowie an interessierte Hochschulangehörige und gibt Einblick in antisemitismuskritische Methoden und Haltungen im Umgang mit Antisemitismus in Kunst- und Kulturinstitutionen.